Die Zebras von La Paz

Die Leute von La Paz muessen noch viel lernen. Das ist jedenfalls die Ansicht der Stadtverwaltung. Die Paceños halten nicht sehr viel von Verkehrsregeln, auf den Strassen poebeln sich die Leute an und viele gehen mit Alkohol nicht „angemessen“ um. Um die Paceños ein bisschen zu erziehen, gibt es bereits seit neun Jahren das Programm der Zebras. Heute war ich Zebra.

Jugendliche, die etwas dazu verdienen oder einem guten Zweck dienen wollen, verkleiden sich als Zebras oder, seltener, als Esel. Sie erhalten eine kleine Ausbildung und gehen auf die Strassen. Dort regeln sie hauptsaechlich  den Verkehr oder fungieren als „Erzieher“. Dabei sind die Zebras das gute Beispiel und die Esel, diejenigen, die den Leuten ironisch ihr Fehlverhalten vor Augen fuehren sollen. Zebras schauen zum Beispiel, dass die Ampelregelungen eingehlaten werden und Esel rennen denen hinterher, die eben das nicht tun.

Schon lange hatte ich mir vorgenommen einen Tag als Zebra in den Strassen von La Paz fuer Zucht und Ordnung zu sorgen. Heute gings dann also ran. Zuerst wurden wir kurz eingewiessen, dann bekamen wir die Kostueme und mussten warten. Wie fast jeden Tag in La Paz, gab es auch heute eine Demonstration im Zentrum. Da wollten sie uns Zebra-Neulinge nicht springen lassen. Mit Verzoegerung gings dann also raus aufs gefaehrliche Terrain.

Kleine Kinder, die ihrer Mam zurufen: „Guck mal, ein Zebra!“ Natuerlich streichelt man sie dann oder laesst sich streicheln. Immer locker bleiben. Laessiger Wipp-Schritt. Dann die Strassenecke X, mein Einsatzgebiet. Ich, das Zebra. Die laufende Ampel (die eigentliche wird naemlich sonst kaum beachtet). Autos anhalten, Autos durchwinken. Fussgaenger ueber die Strasse begleiten. Alte Menschen stuetzend. Kinder belustigend.  Dabei kaum etwas sehen, da die Maske die Sicht auf schaetzungsweise 40º beschraenkt. Immmer die Ampel im Blick haben und manchmal aus Versehen Leute anremplen. … Der Job ist nicht so einfach, wie man denkt. Das Kostuem ist heiss, man sieht nicht viel, muss staendig auf alles achten und ist, wenn man damit nicht ganz klarkommt, eben oft nicht immer Vorbild. Aber Zebra sein ist lustig und eine gute Erfahrung. Vielleicht war ich nicht das beste Zebra, aber es gibt ja zum Glueck auch welche mit jahrelanger Erfahrung. Ein Hoch auf die Zebras von La Paz!!

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Eine Antwort zu “Die Zebras von La Paz

  1. hallo simon,

    in der etwas spröden form einer email, aber nicht minder herzlich gratuliere ich dir zu deinem geburtstag und wünsche dir natürlich nur das beste.

    wirst du feiern? dich feiern lassen? egal in welcher sprache man dein geburtstagslied singen wird, ich hoffe, dass du einen angenehmen start in dein neues lebensjahr(zehnt?) hast.

    gruß von
    marion aus dem heiligen ländle hinter der mauer

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